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    Gartengestaltung
    11 Min.2. Juni 2026

    Garten neu anlegen: Was du VOR dem ersten Spatenstich wissen musst (und was 5.000 Euro Lehrgeld spart)

    Was ist der wichtigste erste Schritt, wenn ich einen Garten neu anlegen will?

    Nicht Pinterest öffnen. Nicht zum Baumarkt fahren. Sondern: den Boden anschauen. Welcher Bodentyp liegt bei dir? Wie ist die Ausrichtung — wo steht die Sonne morgens, wo abends? Und wie ist die Geländeform — fällt das Grundstück ab, steht Wasser? Diese drei Dinge bestimmen alles. Die Pflanzenwahl, die Wegeführung, ob du eine Mauer brauchst oder nicht, ob ein Rasen funktioniert oder zur Mooswiese wird. Wer hier spart, zahlt später dreifach.

    Vorletzten Monat war ich bei einem Neubau in Durach. Das Haus stand, der Garten war eine Schlammwüste. Die Besitzer hatten ein Pinterest-Board mit 247 gespeicherten Bildern. Mediterrane Kräuterbeete, englischen Rasen, japanische Ahorne, einen Infinity-Pool. Alles wunderschön. Alles komplett unrealistisch für ein Nordost-Grundstück auf 750 Metern Höhe im Allgäu.

    Das ist der Moment, in dem ich ehrlich sein muss. Und das tue ich lieber jetzt — bevor jemand 15.000 Euro in einen Garten steckt, der in zwei Jahren frustrierend aussieht.

    Regel Nummer 1: Boden zuerst. Alles andere kommt danach.

    Ich sage das bei jedem Projekt. Und bei jedem Projekt schauen die Leute mich an, als hätte ich was Langweiliges gesagt. Boden. Ja, Boden. Das unspektakulärste Thema der Gartengestaltung. Und das wichtigste.

    Im Allgäu hast du in 80% der Fälle Lehmboden. Schwer, nährstoffreich, im Frühjahr nass wie ein Schwamm, im Sommer hart wie Beton. Die gute Nachricht: Lehmboden ist fantastisch für Pflanzen — wenn du weißt, wie du damit umgehst. Die schlechte Nachricht: Die Hälfte aller Gartenpflanzen aus dem Baumarkt sind für sandige Böden gezüchtet und versagen im Lehm.

    Lavendel, der auf dem Etikett „pflegeleicht" steht? Verrottet im Allgäuer Lehm nach zwei Wintern, weil die Wurzeln im Staunasser stehen. Englischer Rasen? Wird zur Moosplantage, weil der verdichtete Lehm kein Wasser abführt. Mediterrane Kräuter? Brauchen mageren, durchlässigen Boden — das Gegenteil von dem, was wir haben.

    Der 15-Euro-Bodentest, der dir Tausende spart: Nimm eine Handvoll feuchter Erde und rolle sie zwischen den Händen. Lässt sie sich zu einer Wurst formen, die nicht bricht? Lehmboden. Zerfällt sie sofort? Sandboden. Irgendwo dazwischen? Lehmsand. Dieses 30-Sekunden-Experiment sagt dir mehr über deinen Garten als jedes Pinterest-Board.

    Frisch angelegter Garten im Allgäu: Die Wege stehen, die Stauden sind gesetzt. In einem Jahr werden die Lücken geschlossen sein — das ist der Plan.

    Warum die Himmelsrichtung wichtiger ist als die Pflanzenwahl

    Südgarten. Nordgarten. Ostgarten. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber es bestimmt alles. Ein Südgarten im Allgäu bekommt 6 bis 8 Stunden direkte Sonne — hier kannst du Rosen, Obstbäume und sogar Weinreben pflanzen. Ein Nordgarten bekommt vielleicht 2 Stunden direktes Licht — hier stirbt alles, was Sonne braucht, und du brauchst einen komplett anderen Pflanzplan.

    Und dann gibt es die Sache, die niemand beachtet: den Schatten vom eigenen Haus. Ein zweistöckiges Haus wirft im Dezember einen Schatten von 15 bis 20 Metern. Im Allgäu, wo die Sonne im Winter tief steht, liegt der halbe Garten ab Oktober im Dauerschatten. Wenn dort dein Gemüsebeet ist, kannst du ab September einpacken.

    Deshalb mache ich bei jedem Neubau-Garten als Erstes eine Sonnenanalyse. Wo steht die Sonne morgens um 8? Wo um 12? Wo um 17 Uhr? Wo liegt der Schatten im Juni, wo im Dezember? Das dauert einen Tag — und spart Jahre Frustration.

    Die 5 Fehler, die bei Neubau-Gärten immer wieder passieren

    Ich sehe sie jede Woche. Bei Neubaugebieten in Kempten, Kaufbeuren, Buchloe. Immer die gleichen Muster.

    Fehler 1: Sofort Rollrasen. Der Bagger hat das Grundstück plattgewalzt, der Mutterboden ist verdichtet wie eine Autobahn. Dann kommt der Rollrasen drauf. Ergebnis: Staunässe, Moos, nach zwei Jahren ein brauner Flickenteppich. Die Lösung: Erst den Boden lockern (tiefgründig, nicht nur oberflächlich), organisches Material einarbeiten, dann einsäen statt Rollrasen. Dauert drei Monate länger, hält dafür dreißig Jahre.

    Fehler 2: Zu viel auf einmal. Die Leute wollen alles sofort — Terrasse, Rasen, Beete, Hecke, Spielbereich, Hochbeet. Alles in einer Saison. Das Ergebnis: Ein mittelmäßiger Garten, der überall ein bisschen was kann, aber nichts richtig. Mein Rat: Mach die Knochen zuerst — Wege, Terrasse, Mauern. Das sind die Sachen, die sich nachher schwer ändern lassen. Bepflanzen kannst du im zweiten und dritten Jahr, Stück für Stück.

    Fehler 3: Kirschlorbeer und Thujen als Hecke. Ich verstehe den Wunsch nach schnellem Sichtschutz. Aber Kirschlorbeer ist ein ökologischer Totalausfall — keine heimische Insektenart kann damit etwas anfangen. Und Thujen werden im Allgäu regelmäßig von Miniermotten und Trockenschäden dahingerafft. Eine Mischhecke aus Felsenbirne, Kornelkirsche, Schlehe und Holunder ist in drei Jahren genauso dicht, blüht, fruchtet und ernährt hunderte Insektenarten.

    Zwei Jahre nach Anlage: Die Mischhecke blüht, die Stauden haben die Lücken geschlossen. Kein Kirschlorbeer, keine Thujen — und trotzdem blickdicht.

    Fehler 4: Die Terrasse zu klein planen. Jeder Mensch, der eine Terrasse gebaut hat, sagt das Gleiche: „Hätte ich größer gemacht." Die Standardterrasse ist 3 × 4 Meter. Wenn da ein Tisch für vier Leute steht, zwei Stühle verschoben werden und jemand zur Tür will, ist Schluss. Plant mindestens 4 × 5 Meter, besser 5 × 5. Ihr werdet es nutzen.

    Fehler 5: Kein Budget für Bepflanzung übrig. Ich sehe es ständig: 20.000 Euro für Terrasse und Mauern, 500 Euro für Pflanzen. Das ist, als würdest du ein schönes Haus bauen und dann IKEA-Möbel vom Sperrmüll reinstellen. Die Bepflanzung ist das, was den Garten zum Leben erweckt. Rechne mindestens 10 bis 20 Prozent des Gesamtbudgets für Pflanzen ein.

    Was kostet es, einen Garten komplett neu anzulegen?

    Die Frage, die alle stellen. Und die keine einfache Antwort hat — weil jeder Garten anders ist. Aber ich gebe dir Orientierungswerte aus hunderten Projekten im Allgäu.

    Grobe Preisrahmen für einen neuen Garten (ohne Terrasse und Einfriedung):

    • Einfache Neuanlage (Rasen, ein paar Sträucher, Wege): 40 bis 60 Euro pro Quadratmeter
    • Naturnaher Garten (Staudenbeete, Wildblumenwiese, Natursteinwege): 60 bis 100 Euro pro Quadratmeter
    • Hochwertiger Naturgarten (Trockenmauern, Naturteich, vielfältige Bepflanzung): 100 bis 150 Euro pro Quadratmeter
    • Bei 300 m² Gartenfläche reden wir also über 12.000 bis 45.000 Euro — je nachdem, wie weit du gehst

    Das klingt nach viel Geld. Ist es auch. Aber vergleich mal mit dem, was die Leute fürs Bad ausgeben — 15.000 bis 25.000 Euro für 8 Quadratmeter, die du 30 Minuten am Tag siehst. Der Garten hat 300 Quadratmeter und du lebst darin von April bis Oktober.

    Mein Tipp für alle, die das Budget schrittweise einsetzen wollen: Im ersten Jahr die Infrastruktur (Wege, Terrasse, Mauern) — das sind 50 bis 60% der Kosten. Im zweiten Jahr die Hauptbepflanzung (Hecke, Staudenbeete, Obstbäume). Im dritten Jahr die Details (Naturteich, Hochbeete, Kletterpflanzen). So verteilst du die Kosten und siehst nach jedem Schritt, ob die Richtung stimmt.

    Der Unterschied zwischen einem geplanten und einem „einfach mal machen"-Garten

    Ich hatte letztes Jahr zwei Kunden in Nesselwang. Gleiches Neubaugebiet, gleiches Grundstück, gleiche Größe. Der eine hat sich beraten lassen und einen Gartenplan machen lassen. Der andere hat „einfach mal losgelegt" — Baumarkt, YouTube, Nachbarn fragen.

    Nach zwei Jahren: Der geplante Garten sieht aus wie ein kleines Paradies. Blühende Stauden, eine eingewachsene Hecke, ein Sitzplatz unter einem Apfelbaum, Wege, die bei Regen nicht matschen. Gesamtkosten: 18.000 Euro.

    Der andere Garten: Rollrasen mit Moos, drei tote Kirschlorbeersträucher, eine Thujenhecke mit braunen Stellen, Wege aus Betonsteinen, die sich bei Frost angehoben haben. Gesamtkosten: 22.000 Euro. Vier Tausend Euro mehr — für ein schlechteres Ergebnis.

    Der Unterschied war nicht das Geld. Es war die Reihenfolge. Der eine hat zuerst den Boden analysiert, dann die Sonnenausrichtung, dann die Bedürfnisse der Familie — und daraus einen Plan entwickelt. Der andere hat zuerst im Baumarkt gekauft, was ihm gefiel, und dann geschaut, wo er es hinstellt.

    Drei Jahre nach der Neuanlage: Natursteinmauer, eingewachsene Stauden, blühende Wildblumen. Die Investition in gute Planung zahlt sich aus — jedes Jahr mehr.

    Wann ist die beste Zeit, einen Garten anzulegen?

    Im Allgäu hast du zwei Fenster. Frühling (Mitte April bis Ende Juni) und Herbst (September bis Mitte November). Der Herbst ist für vieles sogar besser — Gehölze und Stauden, die im Herbst gepflanzt werden, nutzen den Winter, um Wurzeln zu bilden, und starten im Frühling durch. Rasen geht am besten im September.

    Was du nicht tun solltest: Im Hochsommer anfangen. Frisch gesetzte Pflanzen bei 30 Grad und Allgäuer Gewitterregen — das ist Stress pur. Und Erdarbeiten im Winter verbieten sich bei uns eh — gefrorener Lehmboden lässt keinen Bagger durch.

    Einen Garten neu anlegen ist die größte Chance, die du als Gartenbesitzer hast. Du fängst bei null an. Du kannst alles richtig machen — wenn du die richtige Reihenfolge einhältst. Boden. Ausrichtung. Bedürfnisse. Budget. Und dann erst: Pflanzen.

    Du stehst vor einem Neubau oder willst deinen Garten komplett neu anlegen? Wir schauen uns das bei dir vor Ort an — kostenlos und unverbindlich. Ruf an unter +49 160 935 16103 oder schreib an info@naturraum-gestaltung.de. Dann reden wir über Boden, Sonne und Möglichkeiten statt über Pinterest-Bilder.

    Häufige Fragen

    Wie lange dauert es, einen Garten komplett neu anzulegen?

    Die reine Bauzeit für einen mittelgroßen Garten (300 m²) liegt bei 2 bis 4 Wochen. Dazu kommt die Planung und bei uns im Allgäu eine Wartezeit von 4 bis 8 Wochen je nach Saison. Rechne insgesamt mit 3 bis 4 Monaten vom Erstgespräch bis zum fertigen Garten.

    Kann ich einen Teil selbst machen, um Kosten zu sparen?

    Ja — aber die richtigen Teile. Eigenleistung bei Pflanzarbeiten, Mulchen und einfachen Erdarbeiten spart 20 bis 30% der Kosten. Finger weg von Mauerbau, Wegebau und Teichanlage in Eigenleistung — Fehler hier kosten mehr als die eingesparten Handwerkerkosten.

    Wann sollte ich einen Gartenplaner hinzuziehen?

    Immer dann, wenn das Budget über 5.000 Euro liegt. Eine professionelle Planung kostet 800 bis 2.000 Euro und spart erfahrungsgemäß das Drei- bis Fünffache durch vermiedene Fehler, bessere Materialwahl und effizientere Flächennutzung.

    Was passiert mit dem Bauschuttboden nach dem Hausbau?

    Wir versuchen, möglichst alles wiederzuverwenden – sofern der Boden nicht kontaminiert ist. Mit schlechtem oder unpassendem Boden modellieren wir den Garten: Wir errichten Hügel oder füllen Löcher auf. Unnötiges Abtransportieren vermeiden wir. Als Substrate verwenden wir je nach Standort und Element verschiedene Sande, Kies, Komposte und Humus aus der Region.

    Wie viel kostet ein neuer Garten bei einem Neubau im Allgäu?

    Als Faustregel: 10 bis 15% der Hausbaukosten für einen hochwertigen Garten. Bei einem Haus für 400.000 Euro also 40.000 bis 60.000 Euro für Garten inklusive Terrasse, Einfriedung, Zufahrt und Bepflanzung. Wer ein günstigeres Konzept braucht, kommt mit 15.000 bis 25.000 Euro aus — dann aber ohne aufwändige Elemente wie Naturteich oder Trockenmauern.

    Saisonaler Gartenkalender fürs Allgäu

    Was muss wann in deinen Naturgarten? Hol dir den kostenlosen Monatskalender mit den wichtigsten Aufgaben für jede Jahreszeit im Allgäu.

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    Patrick Thierfelder
    Patrick Thierfelder

    Landschaftsgärtner-Meister & Permakultur-Designer · 20+ Jahre Erfahrung

    Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

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